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Mona:

N?rnberg, 7. Februar 2004

Der Priester schreckte aus seinen ?berlegungen hoch, als das kleine rote L?mpchen ?ber seinem Kopf schwach zu leuchten begann. Erstaunt betrachtete er es, war es kaputt? Er hatte gar nicht geh?rt dass jemand den Beichtstuhl betreten hatte. Auch war es h?chst ungew?hnlich, dass jemand um diese Zeit noch zur Beichte kam. Eigentlich sa? er jeden Abend nur noch hier, weil er eben hier sein musste, weil es eben so angeschlagen war.

Er lauschte in die Kabine neben ihm, und h?rte im ersten Moment gar nichts, nicht einmal einen Atemzug. Die Lampe musste kaputt sein. Doch dann h?rte er das vertraute leise Knirschen des Holzbretts, wenn jemand sich darauf kniete. Also war doch jemand da. Mit einem Ruck schob er die kleine Holzklappe auf, die seine Kabine von der nebenan trennte.

Durch die engen Maschen des Gitters in der kleinen ?ffnung sah er sein Gegen?ber nur sehr undeutlich und verschwommen. Das schemenhafte Gesicht leuchtete wei? in der Dunkelheit des Beichtstuhles, ein schwarzes Tuch umrahmte es. Eine dunkle Haarstr?hne fiel ihr ins Gesicht. Direkt vor dem Gitter konnte er nun gefaltete H?nde erkennen. Junge H?nde, ebenso wei? wie das Gesicht. Ein Silberring an der rechten Hand, einer an der linken. Nun l?sten sich die H?nde voneinander und vollf?hrten das Kreuzzeichen, bevor sie sich wieder fanden.

"Vergib mir Vater, denn ich habe ges?ndigt..." Die Stimme der jungen Frau drang leise doch voll zu ihm. Ein leichtes Zittern lag in ihr und er konnte es nicht zuordnen, Trauer? Angst? Das sein sp?ter Besucher anscheinend so jung war, wie ihm die Stimme verriet, verwunderte ihn noch mehr. Noch seltener als so sp?te Besucher verirrten sich unbekannte Leute hier in die Kirche. Er kannte seine treuen Sch?fchen eigentlich alle, doch diese Stimme, diese Frau war ihm unbekannt. Er wusste nicht warum, doch ein kalter Schauer lief ihm ?ber den R?cken, f?r einen Moment wurde ihm unheimlich zu Mute, doch er verwarf diese Empfindung sofort wieder. L?cherlich.

"Wann war deine letzte Beichte meine Tochter?"
"Ich muss gestehen, Vater, sie ist schon sehr lange her. 10 Jahre... Ich wollte..." Ihre Stimme versagte f?r einen Moment.
Er wusste schon jetzt was kommen w?rde. Keine der 08/15 Beichten, so wie die alten Damen sie immer absolvierten... Hier war jemand der reden wollte, doch niemanden daf?r hatte. Heutzutage mussten zwar eher die Barkeeper f?r so etwas herhalten, doch auch heute verirrten sich noch manche dieser verirrten Sch?fchen in die Beichtst?hle. Ehrlich gesagt waren ihm diese Gespr?che auch lieber als die normalen Beichten.

"Was hast du auf den Herzen Kind?"
"Vater, glaubt ihr, dass es..." sie z?gerte einen Moment, dass Beben in ihrer Stimme war st?rker geworden, "dass es Menschen gibt, die von Gott verflucht werden, f?r das was sie sind und tun?"

Vieles hatte er erwartet, Liebeskummer, Trauerf?lle oder ?hnliches. Aber nicht so etwas.
"Nun ja, Gott liebt seine Kinder, jedes einzelne von ihnen, und w?rde sie niemals verfluchen, ohne die M?glichkeit Bu?e und Vergebung zu erlangen... Glaubst du Gott hat dich verflucht, meine Tochter?"
"Ich glaube es nicht nur... Ich wei? es, ich sehe es jedesmal wenn ich in den Spiegel sehe, jedes mal wenn ich ein Kind sehe, jeden Moment den ich existiere..."
Die Bitterkeit in ihrer Stimme lie? ihn abermals erschaudern. Noch niemals hatte er soviel Verbitterung und auch Verzweiflung in einer Stimme geh?rt. Was mochte ihr nur widerfahren sein, dass sie der ?berzeugung war, Gott h?tte sie verflucht? So etwas hatte er noch nie im Ernst geh?rt.

"Was immer du getan hast, mein Kind, dass du glaubst Gott h?tte dich verflucht, du kannst Bu?e tun. Beichte deine S?nden, und der Herr wird dir vergeben."
Ein leises Schluchzen war von seinem Gegen?ber zu h?ren, und seltsamerweise krampfte ihm das Herz zusammen.

"Was, wenn ich die S?nde bin?"
"Wie, wie meinst du das?"
"Wenn ich die gro?e S?nde vor dem Antlitz unseres Herrn bin, ich bin der Grund f?r diesen Fluch, meine Existenz, jede Sekunde die ich auf Erden wandle ist ein ?rgernis f?r ihn. Ich bin ein Schandfleck auf Erden geworden, unnat?rlich, verflucht, nur weil ich einmal eine falsche Entscheidung traf..." Wieder versagte ihr die Stimme.

Das Geh?rte hatte ihn nun endg?ltig verwirrt. Was mochte diese junge Frau nur getan haben, oder was hatte man ihr angetan, dass solche Gedanken in ihr wohnten.

"Willst du mir nicht erz?hlen Tochter, was dich so qu?lt? Was dich auf solche Gedanken bringt? Erleichtere deine Seele, Kind!"
Als er erneut durch das Gitter blickte, bemerkte er erstaunt, dass zwei rote Tr?nen ?ber das schneewei?e Antlitz liefen. F?r einen Moment hatte er das Bild einer der weinenden Madonnen aus S?damerika vor Augen. Diese Wunder ?ber die sich die Geister der Geistlichen weltweit schieden.

"Ich kann nicht Vater," antwortete sie und die Verzweiflung, die diese junge Frau ausstrahlte, war so dicht und greifbar, dass sie ihm beinahe die Luft abschn?rte. "Ich kann nicht, Vater, denn dann w?ret ihr genau so verdammt wie ich."

Dann h?rte er nur noch das leise Knirschen des Brettes und mit einem Mal war die Kabine ihm gegen?ber leer. Sofort riss er die T?r auf und hastete aus dem Beichtstuhl. Doch er sah nur noch die zuschlagende T?r und die Kerzen, deren Flammen im Windzug tanzten. Die Kirche war leer.
12.2.04 23:21
 



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