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Andokai - Sturmtänzerin
VI
„… ich lief die ganze Nacht hindurch, ich weiß nicht wo ich die Kraft dafür herbekam. Im Morgengrauen traf ich einen Händler der auf dem Weg nach Throal war und im Tausch gegen meine Halskette nahm er mit auf seinem Wagen mit bis vor die Tore der Stadt. So kam ich hierher.“
Lorlon Gendsen hatte der Geschichte seines Gastes aufmerksam gelauscht ohne sie auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen. Sie hatte ihm alles erzählt, jede Einzelheit des Geschehenen, das fühlte er, jedes schreckliche Detail, auch wenn es sie in Bedrängnis bringen konnte.
Er betrachtete das Mädchen, das zum ersten Mal seit sie bei ihm aufgetaucht war wieder bei vollem Bewusstsein war. Sie war immer noch blass, so blass, dass sie in den weißen Kissen beinahe verschwand und sie war dünn geworden. Ihre Augen blickten stumpf, keines der goldenen Fünkchen die er an jenem Tag in ihrem Dorf so bewundert hatte war mehr zu sehen.
Vor einer Woche hatte sie plötzlich vor seiner Türe gestanden, ein schmutziges Häufchen Elend dass in seinen Armen zusammengebrochen war. Der offene Bruch an ihrem Arm war eine einzige große eiternde Wunde, sie hatte hohes Fieber und war kaum mehr fähig ein Wort hervor zu bringen.
Der von Lorlon sofort herbei geholte Heiler hatte sich gut um sie gekümmert, sie war dennoch noch tagelang in Fieberträumen gelegen. Eine Sache des Geistes, so hatte der Heiler ihm erklärt, und dies zu richten läge leider nicht in seiner Macht.
Erst seit dem heutigen Tag war sie wieder klar genug bei Bewusstsein um zusammenhängende sinnvolle Dinge zu berichten.
Lorlon hatte ihr noch Zeit lassen wollen, bis er fragen wollte was passiert war, doch bereits bei seinem ersten Besuch bei ihr hatte sie ihm alles erzählt, alles was geschehen war.
Nun lag sie in ihrem Bett und sah ihn an mit großen Augen, ängstlich aus dem blassen Gesicht heraus. Sie sah aus wie ein kleines Kind das seine gerechte Strafe erwartete und doch Angst davor hatte.
Beruhigend fasste er ihre Hand und lächelte sie an.
„Keine Sorge Andokai, ich glaube du hast das Rechte getan, du hattest keine Wahl. Und du hast das Rechte getan zu mir zu kommen. Du bist immer willkommen hier als meine Schülerin. Sturmtänzerin… welch ein passender Name.“
Und Freunde erfüllte sein Herz als er in ihren Augen die kleinen Fünkchen plötzlich wieder blitzen sah.
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