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Andokai - Sturmt?nzerin

II

Sie rannte hinaus in die Nacht, raus aus dem Dorf und in den Wald hinein. Ihre R?cke flatterten und der Wind zerrte an ihrem langen Haar, sie war halb blind von den Zornestr?nen in ihren Augen, doch sie musste nichts sehen um ihren Weg zu finden. Sie war ihn so oft gegangen, zu jeder Jahreszeit, jeder Tag- oder Nachtzeit, sie w?rde ihn problemlos auch mit geschlossenen Augen finden.
Immer tiefer in den Wald hinein, dem Weg entlang bis zu der kleinen Br?cke, wo der Bach den Weg kreuzte. Von hier aus folgte sie dem Bachlauf aufw?rts immer weiter. An seiner breitesten Stelle, hier war der Bach fast vier Schritt breit, hatte sich eine kleine Landzunge gebildet, eine fr?here Sandbank auf der nun zwei kleine B?umchen wuchsen. Der Wald war um diese Stelle herum so dicht, dass sie von au?erhalb kaum zu erkennen war. Nur wenn man sich gewaltsam durch das Unterholzgestr?pp schlug, oder den gut versteckten kleinen Weg fand, hatte man freien Blick auf die Kleine Halbinsel.
Andokai hatte sie zuf?lligerweise entdeckt, als sie vor vielen Jahren im Wald Pilze sammelte. Seither war dies hier ihr Zufluchtsort, sie kam beinahe t?glich hierher. Oft ?bernachtete sie auch hier, schlich sich nachts heimlich aus ihrem Fenster um hier zu schlafen und im morgengrauen mit den V?geln aufzuwachen und wieder in ihr Zimmer zur?ck zu kehren bevor ihre Eltern etwas davon bemerkten.

Erleichtert und ersch?pft von dem langen Laufen lie? sie sich in die weiche Erde unter den B?umchen fallen. Die Anstrengung hatte den Zorn verrauchen lassen und nur eine tiefe Verzweiflung zur?ckgelassen, die ihr den Atem raubte und drohte ihre Gedanken zu l?hmen. Doch sie wollte das nicht zulassen, sie w?rde ihr nicht nachgeben. Sie legte ihren ?bermantel ab, so dass sie nur noch ihr leinenes Unterkleid trug und streifte die Schuhe von den F??en.
M?hsam und schnaufend rappelte sie sich hoch und setzte sich an den kleinen Holzstapel, der bereits auf sie wartete. Jedes mal bevor sie das Inselchen verlie? holte sie neues Brennholz aus dem Wald und stapelte es auf, damit die Insel, der Bach und der Wald wussten dass sie bald wieder kommen w?rde.

Trotz des starken Windes der die B?ume sch?ttelte und an ihrer Kleidung und ihrem Haar zerrte, gelang es ihr einfach und schnell ein Feuer zu entfachen und innerhalb weniger Augenblicke loderte es hell empor. Andokai schloss die Augen und erhob sich langsam. Sie leerte ihren Kopf von allen Gedanken, von allen Sorgen und war einfach nur da in diesem Augenblick. Die Arme nach oben gestreckt als wollte sie die wenigen sichtbaren Sterne ergreifen, stand sie regungslos f?r lange Zeit.
Sie f?hlte nur den Wind, der sie umwehte, fordernd und doch z?rtlich, stark aber sanft ihren K?rper umspielte, ihr Haar streichelte. Die Erde unter ihren blo?en F??en war angenehm weich und kitzelte sie, sie bewegte ihre Zehen um sich noch tiefer einzugraben, einen Moment f?hlte sie das leichte kitzeln vieler kleiner Beine eines K?fers, der aus der Erde ?ber ihren Fu? krabbelte und wieder verschwand. Sie h?rte das Pl?tschern des Wassers, dass an der Engstelle neben der Insel ?ber Steine sprudelte und f?hlte die einzelnen Gischttropfen die ihre Haut benetzten und in der Hitze des flackernden Feuers sofort verdampften und als Nebel von ihr wieder aufstiegen. Sie h?rte das Rascheln der Bl?tter und das Knarren der ?ste im Wind und wusste, sie war sie selbst.
Das alles hier war sie und das alles hier nahm sie so wie sie war, sie selbst, nur sie.

Lange Zeit stand sie so, regungslos, die Arme zum Himmel gestreckt, die Nacht in sich aufnehmend, die W?rme des Feuers, die St?rke und Sanftheit des Windes, die K?hle des Wassers und die Geborgenheit die Erde und B?ume vermittelten.

Erst als das Feuer immer kleiner wurde und drohte in den Windb?en zu erl?schen erwachte sie aus ihrer Starre und lie? sich auf die Erde fallen. Sie legte etwas Holz nach und starrte in die wieder auflodernden Flammen.

Es kamen h?ufig Wanderer in das Dorf, Reisende und Abenteurer, die von Throal auszogen um Barsaive neu zu erobern. Sie machten unterwegs in Kirschgrube halt, um ihre Vorr?te noch einmal aufzufrischen bevor sie die zivilisierteren Gebiete verlie?en.
Die meisten von ihnen hielten sich nicht lange mit dem Dorf und seinen Bewohnern auf, doch vor einigen Monden war ein Wanderer gekommen der irgendwie anders gewesen war und hatte Andokais Aufmerksamkeit erregt, so dass sie vor dem Gesch?ft ihres Vaters auf den Stufen sa?, um noch einmal einen Blick auf den Fremden werfen zu k?nnen, bevor er wieder verschwand.
Der Mann war klein und von schm?chtiger Statur, doch bewegte er sich mit einem Selbstvertrauen als w?re er der st?rkste Mann der Welt und nichts k?nnte ihm etwas anhaben. Er trug eine halblange graue Robe, die mit blauen Wellen und roten Dreiecken, wei?en Wirbeln, braunen Vierecken und gr?nen Bl?ttern kunstvoll bestickt war. Obwohl es vollkommen windstill und dr?ckend hei? war an diesem Tag, schien es als w?rde ein st?ndiger Windsto? um ihn sein, seine Kleider aufbl?hen und in seinem schwarzen Haar spielen.
Sie war froh noch einen Blick auf ihn werfen zu k?nnen als er den Laden verlie?, doch zu ihrem erstaunen setzte er sich pl?tzlich neben sie und sah sie aufmerksam an. Seine wasserblauen Augen schienen st?ndig in Bewegung zu sein und doch ununterbrochen in die ihren zu Blicken. Ein leises L?cheln umspielte seinen d?nnen Mund.
?Ich habe dich gesehen heute Nacht. Ich hatte mein Lager in der N?he aufgeschlagen und der Wind hat mir zugefl?stert dass du da bist,? sagte der Fremde.
Andokai erstarrte und ihr blasses Gesicht f?rbte sich rot. Sie versuchte ihren Blick von dem des Fremden zu l?sen, doch es gelang ihr nicht, irgendwie wollte sie es gar nicht.
Er wusste dass sie in der Nacht wieder auf ihrem Inselchen gewesen war, er hatte sie also gesehen. Aber wie es aussah, hatte er sie noch nicht an ihre Eltern verraten, ansonsten w?re sie schon lange ins Haus gezerrt worden. Was wollte er also sonst von ihr?
Sein Blick lag weiter forschend auf ihr. ?Du bist gerne dort, nicht wahr? Und oft? Der Wind hat mir erz?hlt du sprichst mit ihm und mit den anderen, dem Wasser, der Erde, dem Feuer und den B?umen, erz?hlst ihnen deine Sorgen und hoffst auf eine Antwort.?
Die R?te in Andokais Gesicht wurde noch dunkler, doch der Fremde lie? sich nicht beirren und sprach weiter. Er sprach und sprach, erz?hlte und fragte und Andokai antwortete bereitwillig und vollkommen ehrlich, erz?hlte dem Fremden Dinge, die niemand sonst von ihr wusste.
Und er erz?hlte ihr, dass er fr?her ebenso gewesen war wie sie, anders als die anderen und eingesperrt in einer Welt die sie nicht verstand, dass er in der Welt des Wassers, des Windes und der anderen Elemente Zuflucht suchte. Dass er weggegangen war aus seinem Dorf in die gro?e Stadt Throal und dort einen Meister fand, der sein Talent entdeckte und ihn den Umgang mit den Elementen und den Elementaren lehrte, ihm das gro?e und wichtige Gleichgewicht der Elemente in allem Offenbarte und ihn zu einem Elementaristen ausbildete.
Er stellte ihr Fragen zu ihrem Leben, ihren Gedanken, ihren n?chtlichen Ausfl?gen in den Wald, und Andokai beantwortete sie mit einer Ehrlichkeit die sie noch niemals jemandem entgegengebracht hatte und er zeigte ihr Verst?ndnis wie sie es noch niemals erfahren hatte.
Sie h?tte f?r den Rest ihres Lebens dort mit ihm Sitzen k?nnen und seiner Stimme lauschen, in der sie glaubte leise das S?useln des Windes zu h?ren. Doch die Stimme ihres Vaters, der sie herein rief, riss sie aus dem Gespr?ch und dem Zauber der Stimme des Fremden.
Dieser erhob sich und streckte ihr die Hand entgegen um ihr ebenfalls auf zu helfen. ?Ich muss mich nun verabschieden, ich werde so bald wie m?glich zur?ck in Throal erwartet.? Die Entt?uschung zeichnete sichtbare Spuren auf Andokais Gesicht. Forschend sah er sie an. ?Solltest du jemals nach Throal kommen und nicht wissen wohin, dann erkundige dich im Basar nach Lorlon Gendsen. Ich nehme gerne neue Sch?ler auf? und ich glaube es steckt jede Menge Talent in dir.? Mit einem letzten Zwinkern seiner blauen Augen drehte er sich um und ging den Weg entlang zum Dorf hinaus ohne sich auch nur noch ein einziges Mal umzudrehen.

Seit dieser Begegnung schien Andokai ihr ganzes Leben in diesem Dorf und all die Menschen um sie herum noch um vieles trostloser und schrecklicher als bisher. Und auch jetzt wieder, w?hrend sie hier am Feuer sa? und der Wind, die B?ume, die Erde und das Wasser einen Schutzschild um sie bildeten, der die Aussenwelt von ihr fern hielt, gingen ihr immer und immer wieder die Worte des Elementaristen im Kopf herum. Eine Elementaristin werden, in Throal leben und die Welt entdecken. Das war es doch, das war es worauf sie immer gewartet hatte, das war es, das Gr??ere, das H?here nach dem sie immer gestrebt hatte.
Doch ihre Eltern w?rden sie niemals gehen lassen, sie hatten ihre eigenen Pl?ne f?r sie und niemals, niemals w?rden sie ihr Einverst?ndnis dazu geben, dass sie eine Elementaristin werden w?rde. Magisch begabte waren zwar in Barsaive fast Alltag, doch hier im Dorf gab es au?er Arundel, die leichte magische F?higkeiten nutzen konnte wenn sie ihre Geschichten erz?hlte, niemanden der dazu in der Lage Magie zu wirken.
Diese wundervolle Zukunft stand vor ihr wie ein leuchtender Stern, doch wie die Sterne war sie unerreichbar f?r sie. Da waren ihre Eltern, die so viel von ihr erwarteten, und die sie nicht entt?uschen durfte, nicht entt?uschen konnte. Und all die Leute im Dorf, f?r die sie der Garant f?r eine rosige Zukunft war. Eine rosige Zukunft f?r alle, nur nicht f?r sie selbst.

Mit einem tiefen Seufzen l?schte sie das Feuer und erhob sich. Es w?rde bald hell werden und sie m?sste zur?ck. Sie w?rde jede Menge ?rger bekommen, dass sie die Feier einfach so verlassen hatte und die Nacht weggeblieben war. Ihr Vater war ?ber solche Sachen stets sehr ungehalten und sie hoffte ihre Mutter w?rde sie zumindest vor dem Stubenarrest bewahren.
Sie sammelte noch schnell frisches Holz und stapelte es zu einem neuen Lagerfeuer hoch, das nur darauf wartete entz?ndet zu werden, dann verlie? sie die nun dunkle Lichtung mit einem letzten Blick zur?ck.

29.7.05 19:59
 



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