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Andokai - Sturmt?nzerin

I

Die Dorfbewohner erz?hlten immer wieder und wieder, sp?testens jedoch jedes Jahr am sich j?hrenden Tage ihrer Geburt von den seltsamen Umst?nden ihrer Geburt und dem guten Omen f?r das Ganze Dorf, dass sie mit sich brachte.
Auch in diesem Jahr setzte sich die Elfe Arundel, als die D?mmerung hereinbrach, an den Kamin und zog damit die Aufmerksamkeit aller G?ste auf sich.
Die Kinder, die schon genau wussten, was nun kommen w?rde, lie?en sich zu ihren F??en nieder und blickten sie mit gro?en Augen an. Die Gespr?che im Raum verebbten und nach und nach versammelten sich die Leute um die Elfe mit erwartungsvollem Blick.
Nur das Geburtstagskind, ein etwa 14 Jahre z?hlendes Menschenm?dchen, hielt sich im Hintergrund. Sie setzte sich an den gro?en Holztisch, der bis grade eben noch Mittelpunkt des Geschehens gewesen war, st?tzte das Kinn auf die H?nde und blies sich gelangweilt eine der vorwitzigen dunkelblonden Haarstr?hnen aus dem Gesicht. Ihre bernsteinfarbenen Augen, in denen goldene P?nktchen wie kleine Lichter tanzten, rollten gelangweilt als die Elfe ihre Stimme erhob.
Jedes Jahr wieder dieselbe Geschichte, die die Umst?nde ihrer Geburt erz?hlte. Die Umst?nde, die sie von ihrer Geburt an zu einer Art Maskottchen des Dorfes hatte werden lassen. Die Umst?nde, durch die jeder ihrer Schritte an jedem einzelnen Tag ihres Lebens unter st?ndiger Beobachtung stand und jeder so viel von ihr erwartete und verlangte und darauf achtete, das sie ja alles richtig machte.
Nur war sie selbst erwartete und was f?r sie richtig und wichtig war, das war egal, das interessierte keinen.

?Und es begab sich an jenem Tag,? die Elfe erhob ihre Stimme und mit einem Schlag waren alle Gespr?che verstummt und alle Aufmerksamkeit war wie gebannt auf die glockenklare Stimme und das Porzellangesicht gerichtet. ?als unsere liebe Aljanka unter Schmerzen in den Wehen lag,? sie l?chelte der vor ihr sitzenden Menschenfrau mit dem dunklen Haar anerkennend zu, ?dass ein furchtbarer Sturm ?ber unser Dorf hereinbrach. B?ume so alt wie 4 eurer Menschenleben knickten um wie Streichh?lzer, die D?cher der H?tten hoben ab und flogen fort als wollten sie es den V?geln im Himmel gleich tun und das ganze Dorf drohte unter dem Toben der Elemente vernichtet zu werden.?
Die Elfe machte eine kunstvolle Pause und ihre wasserblauen Augen blickten von einem ihrer Zuschauer zum n?chsten.
Die Kinder zu ihren F??en wagten kaum zu atmen aus Angst, auch nur eines ihrer W?rter zu verpassen.
Die ?lteren Dorfbewohner konnten sich noch all zu gut an den schrecklichen Sturm erinnern, sie schauderten, als Arundels Worten ihnen die Bilder der Zerst?rung wieder in Erinnerung rief.
?Es war ein so furchtbarer Sturm, als h?tten sich die f?nf Elemente gegen unser Dorf verschworen und wollten es hinfort tragen in luftige H?hen oder hinunterrei?en in dunkle Tiefen? In den 100 Jahren seit sich mein Kaer ge?ffnet hat, habe ich kein solches Unwetter erlebt.?
Die Kinder sahen sie atemlos mit weit aufgerissenen Augen an. 100 Jahre! Das war eine so unendlich lange Zeit, z?hlten die ?ltesten der Menschen im Dorf nur 70 Jahre und selbst sie schienen so unendlich alt zu sein, geboren in einer fremden Zeit die so lange zur?ck lag f?r die Kinder.
Die Zeitspanne, von der die Elfe mit solcher Leichtigkeit sprach, war f?r die meisten Menschen eine Ewigkeit, und keiner von ihnen, auch die aller ?ltesten nicht, hatte die ?ffnung des Kaers und die Ansiedlung des Dorfes miterlebt.

?Die Frauen hatten sich in dieser H?tte hier versammelt um zusammen mit Iljoscha Aljanka beizustehen und das neue Leben in unserem Dorf zu begr??en. Der Wind r?ttelte und sch?ttelte an der H?tte, der Regen prasselte mit aller Wucht auf das Dach, man verstand sein eigenes Wort kaum mehr. Die Dachbalken knarzten und knackten unter der Belastung und alle wussten, die H?tte konnte dem Zorn der Elemente nicht mehr lange standhalten.
Und gerade als Aljanka mit einem letzten Aufschrei ihrer Tochter das Leben schenkte, brach der Sturm mit ganzer Kraft ?ber uns herein. Das Dach wurde wie Papier von der H?tte gehoben und fortgetragen. Balken krachten in den Raum und Splitter bedeckten alles. Iljoscha griff nach seiner neugeborenen Tochter um sie vor dem Sturm zu besch?tzen und gerade als er sie hochhielt um sie anschlie?end an sich zu dr?cken, ?ffnete sie ihre goldenen Augen, blickte nach oben in den tobenden Sturm und stie? ihren ersten, lauten, fordernden Schrei in die br?llenden B?en?
Und Stille senkte sich ?ber das Dorf. Der Sturm legte sich von einem Augenblick auf den n?chsten. Die dunklen Wolken l?sten sich in Nichts auf und machten dem blaue Himmel und der leuchtenden Sonne Platz.
Das ganze Dorf stand still und starr vor Erstaunen und Fassungslosigkeit gegen?ber dem Wunder, dessen Zeugen sie gerade werden durften.
Nur das Kind in Iljoschas Armen gluckste und lachte und versuchte mit seinen H?ndchen die Sonnenstrahlen die durch das fehlende Dach in die H?tte drangen zu fassen.
Und Aljanka und Iljoscha gaben ihrer Tochter den Namen Andokai, die Sturmt?nzerin.
14 Jahre ist es nun her, dass unsere Andokai zu uns kam und unser Dorf gerettet hat, und nie mehr gab es seither ein Unwetter das dem Dorf geschadet h?tte?
Wenn man von Andokai selbst und ihrem Ungest?m einmal absieht.?
Die Elfe l?chelte dem im Hintergrund sitzenden M?dchen wohlwollend zu. Die Kinder betrachteten Andokai als h?tten sie die K?nigin der Blutelfen h?chstpers?nlich vor sich. Sie alle waren mit der Geschichte ?ber Andokai und wie sie das Dorf gerettet hatte aufgewachsen und hielten immer ehrfurchtsvollen Abstand zu ihr.

Andokai schnaubte ver?chtlich aus, strich sich mit einer energischen Geste die wieder im Gesicht h?ngende Str?hne hinters Ohr, stand auf und marschierte in die angrenzende K?che.
Sie konnte die Blicke nicht mehr ertragen, bewundernd, staunend, eingesch?chtert, konnte es nicht mehr h?ren, das Tuscheln und Raunen, die Gespr?che, die abbrachen, wenn sie in H?rweite kam.
Und sie konnte diese verfluchte Geschichte nicht mehr ertragen, die Ereignisse, die vom Tag ihrer Geburt an ihr ganzes Lebens beeinflusst und in den Augen ihrer Eltern und des ganzen Dorfes ihre Zukunft vorherbestimmt hatten.
Die Kinder bewunderten und bestaunten sie? aber mitspielen hatte sie nie gedurft, die anderen waren zu verunsichert in ihrer Gegenwart. Nur durch den Spalt der T?r nach drau?en linsend hatte sie sehen k?nnen, wie die Kinder sich verhielten, wenn sie nicht eingesch?chtert waren von ihrer Gegenwart. Viele Stunden hatte sie dort gestanden und manche Tr?ne war geflossen.
Die Dorfbewohner suchten zwar oft ihre Gegenwart, ihre Eltern hatten st?ndig Besuch, aber niemand kam wirklich wegen ihr, Andokai, um zu sehen wie es ihr geht, sich mit ihr zu unterhalten, nein, alle wollten nur das ?Wunderkind? von Kirschgrube sehen.

Andokai, Sturmt?nzerin, so hatte ihr Vater sie genannt und ihr damals, in jener H?tte, wie er sp?ter erz?hlte, auch ihr ihren wahren Namen ins Ohr gefl?stert. Andokai Lusitu. Im Dialekt des Dorfes ausgesprochen bedeutete es ?Lichter Ort inmitten des Sturms?

Manchmal w?nschte sie sich, einer der Balken h?tte sie in den Armen ihres Vaters erschlagen damals, denn selbst der Tod erschien ihr oft besser als dieses Gef?ngnis in dem sie nun steckte.
Ihr Vater und Arundel hatten bereits ihr ganzes Leben verplant, von Anfang bis Ende. Sie sollte so bald wie m?glich einen Sohn eines der reicheren Bauern im Dorf heiraten und so ihrer Familie und dem Kr?merladen ihres Vaters einen besseren Stand zusichern. Dann w?rde sie den Laden ?bernehmen und au?erdem w?rde sie, die das Dorf gerettet und vor allem B?sen besch?tzt hatte, Dorfvorsteherin werden und das Dorf zu Reichtum und Wohlstand f?hren. Allen sollte es gut gehen, ein sch?nes erf?lltes Leben f?hren k?nnen, Reicht?mer ansammeln, das Dorf vergr??ern, bekannt machen.
Allen sollte es gut gehen, aber was war mit ihr selbst?
Wer fragte danach was sie selbst wollte, sich w?nschte, brauchte?
Bei dem Gedanken daran, so zu leben wie ihr Vater und Arundel es f?r sie vorsahen, h?tte sie am liebsten geschrieen und um sich getreten und getobt. Wie ein Sturm f?hlte sie sich, eingeschlossen zwischen Mauern und keine M?glichkeit auszubrechen, keinen Weg die angestaute Energie abzulassen, schw?cher werden, sterbend?
Ein ersterbender Sturm, verl?schendes Feuer, verbrannte Erde? so f?hlte sie sich bei dem Gedanken an ihre ihr bevorstehende Zukunft.
Sie wollte ihren Vater nicht entt?uschen, sie liebte ihn.
Aber es musste doch noch mehr geben als das hier!

Sie fuhr erschrocken herum als sie eine Hand auf ihrer Schulter sp?rte. Ihr Vater stand vor ihr und starrte sie an. Sie konnte sehen dass er bereits tief in seinen Bierkrug geblickt hatte. Er nahm sie am Handgelenk und versuchte sie wieder in Richtung der Stube zu ziehen.
?Was tr?delst du hier rum Kind? Die Leute sind alle wegen dir da, sie wollen dich sehen, also geh rein da! Ist gut f?rs Gesch?ft, du wei?t schon??
Sie h?tte am liebsten einfach nur geschrieen, geschrieen so lange bis der Sturm vielleicht wieder kam und die Arbeit vollendete, die er am Tag ihrer Geburt unerledigt gelassen hatte. Gut f?rs Gesch?ft, das war anscheinend alles war sie f?r ihren Vater war. Warum nagelte er sie nicht gleich an die Eingangst?r als Reklameschild?
Iljoscha merkte nichts von dem Aufruhr, den seine Worte in seiner Tochter ausl?sten, sein Blick war viel zu sehr gefesselt von den vielen Anwesenden G?sten, die angelockt durch das Fest in Zukunft wieder ?fters bei ihm und nicht im Laden auf der anderen Seite der Stadt einkaufen w?rden, um seine besondere Tochter zu sehen.

Er dr?ckte ihr Handgelenk fester und dirigierte sie in eine Ecke der Stube.
?Andokai, begr??e doch Ralnus und seinen Sohn Jiftach. Du wei?t doch, Ralnus geh?rt der gro?e Hof zwei Meilen au?erhalb des Dorfes, er beliefert mich immer mit frischem Obst und Gem?se. Und Jiftach wird sp?ter der ganze Hof geh?ren.?
Sie wunderte sich, dass ihrem Vater nicht der Speichel aus dem Mund lief, so begehrlich klang seine Stimme. Er gab ihr einen kleinen Schubs, so dass sie strauchelte und Jiftach nutzte die Chance und zog sie auf seinen Scho?. Angewidert versuchte Andokai sich wieder hochzurappeln, doch ein muskul?ser Arm fasste um ihre Taille und hielt sie fest wie ein Eisenriegel.
Jiftach war ein durchaus ansehnlicher Mann, er war von gro?er stattlicher Statur, hatte Muskeln wie ein Ochse, sein Haar war voll und wellig und gl?nzte wie Gold und sein l?chelnd konnte die meisten der M?dchen im Dorf in sekundenschnelle in kichernde 5j?hrige verwandeln.
Doch was die Passionen ihm fast zu viel an Aussehen und Muskelkraft mitgegeben hatten, hatten sie Andokais Meinung nach sehr stark an seinen Geisteskr?ften eingespart. Irgendwie schien er auf dem Geistigen Niveau eines 6j?hrigen stehen geblieben zu sein, nur seine Gel?ste nach den jungen M?dchen unterschieden ihn von den Kindern. Er konnte nicht auf anhieb sagen, wie viele Finger er wohl an beiden H?nden hatte und alle dar?ber hinausgehenden Fragen h?tten ihn restlos ?berfordert.
Seine Dummheit an sich h?tte ihn noch nicht so absto?end gemacht, jedoch mischte sich zu seiner Unbedarftheit auch noch ein gro?es Ma? an Sadismus. Schon als Junge hatte er K?fer und M?use gequ?lt, ihnen Beine ausgerissen und abgeschnitten, sie bei lebendigem Leibe ger?stet, ihnen F?hler und Haare einzeln ausgezupft und ?hnliche Grausamkeiten zugefugt. Mit dem Ma?e in dem er wuchs, wuchs auch das Ma? seiner Grausamkeiten und die Gr??e seiner Opfer. Ger?chte besagten dass er auch seine Mutter und seine Schwestern wie Vieh behandelte, es blieb jedoch nur bei Ger?chten, da keine der Frauen des Ralnus-Hofes jemals im Dorf gesehen wurde.
Erst vor einer Woche hatte Andokai mit ansehen m?ssen, wie Jiftach einen an den Beinen gefesselten Welpen immer wieder abwechselnd dicht ?ber eine Flamme hielt und dann wieder beinahe ertr?nkte, bis er ihn schlie?lich auf den Steinen des Baches zerschellen lie?.
Sie hatte alles versucht um den Kleinen zu retten, doch weder ihre Tritte noch ihre Schl?ge hatten den Riesen ber?hrt, er hatte nur gelacht und weiter gemacht. Weinend vor Zorn und Hilflosigkeit hatte sie das grausige Spiel mit ansehen m?ssen.
Und nun sa? sie auf dem Scho? dieses Ekels und seine dicken schmutzigen Pranken hielten sie fest umklammert.
Die Augen ihres Vaters blitzten seltsam auf, als er seine Tochter auf Jiftachs Scho? sah und auch Ralnus grinste zufrieden. Andokai war sich nicht sicher was dies zu bedeuten hatte, aber es gefiel ihr ganz und gar nicht.
Jiftach dr?ckte seinen Mund an ihr Ohr und fl?sterte ihr hinein. ?Na mein St?rmchen, pl?tzlich so zahm? Vielleicht wird?s ja doch noch was mit uns?? Sein schneller werdendes Schnaufen an ihrer Wange und zittern seiner Lenden, dass sie, an seinen Scho? gedr?ckt sp?rte, ekelten sie an, sie h?tte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt.
Iljoscha schlug Ralnus auf die Schulter und grinste ihn an. ?Na, da scheinen sich doch zwei gut zu verstehen. Vielleicht sollte man das nutzen??
Andokai wurde beinahe schwindlig, sie ahnte worauf das hier hinaus laufen sollte und hatte nur einen Gedanken: Weg hier bevor ihr Vater das aussprach, was sie schon seit Jahren f?rchtete.
Sie hob das Bein und lie? ihren Fu? mit voller Wucht auf Jiftachs Fu? niederknallen. Die Lockerung seiner Arme w?hrend er vor Schmerz aufschrie, nutzte sie um von seinem Scho? und unter seinen Armen durch zu schl?pfen und sie einige Schritte von ihm zu entfernen.
?Ich glaube ich habe Mutter drau?en rufen h?ren, sie braucht meine Hilfe,? mit diesen Worten raffte Andokai ihre R?cke, dr?ckte die T?r auf und lief nach drau?en in die Nacht.
Verwirrt sah ihr Vater zu seiner Frau, die in der Ecke des Raumes sa? und sich leise mit anderen Frauen unterhielt, w?hrend Jiftach seinen schmerzenden Fu? hielt und Andokai still verfluchte.
29.7.05 19:58
 



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