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Mona:

22. M?rz 2002

Nun ist er da, dieser eine Abend den ich so sehr f?rchtete... SIlvia ist nicht da, sie ist in Wien... wie gerne w?re ich mit ihr gekommen... doch bei ihr gibt es keine Widerrede... also bin ich jetzt hier, alleine. Ich frage mich warum ich ?berhaupt hergekommen bin... und doch bin ich hier. Ich bin hier und... tja, und was? ich sitze die ganze Zeit hier... ich kenne keinen, kann mit keinem sprechen, habe nicht den Mut irgendjemanden anzusprechen. Ich f?hle mich so... ausgeliefert... wen hier kenne ich denn schon? Wem kann ich vertrauen? Silvia hat mich alleine gelassen hier unter so vielen Leuten die ich nicht kenne, die sich absolut nicht f?r mich interessieren. Wenn sie mich wenigstens mit sich genommen h?tte. Aber das tat sie nicht. Ein einfaches "Nein" auf meine Bitte mich mit sich zu nehmen, ein paar Auftr?ge f?r mich und dann war sie weg. Und ich stehe jetzt hier und wei? nicht was ich machen soll... beobachte die Leute, versuche sie wenigstens ein bisschen einsch?tzen zu k?nnen, mein Mi?trauen wenigstens ein bisschen beruhigen zu k?nnen, aber es f?llt so schwer, so wahnsinnig schwer, wenn ich an die vielen Ereignisse denke, die hier geschehen....

Ich war eine Weile drau?en, bin einfach durch die Gegend gerannt... es ist verbl?ffend, ich bin st?rker als jeder Mensch und doch habe ich Angst wenn ich einem Menschen im Park begegne. Was n?tzt mir diese Kraft, wenn ich sie nicht einzusetzen wei?? Die wenigen Versuche, die ich bis jetzt f?r mich selber unternahm, um sie wenigstens etwas verstehen zu k?nnen, haben das Mobiliar in meiner neuen Wohnung um einiges reduziert... aber wie ich sie wirklich einsetzen kann, wei? ich immer noch nicht... ich werde Silvia noch einmal daran erinnern m?ssen, dass sie mir "Unterricht" geben wollte... aber irgendwie habe ich Angst davor. Seit ich ihr in ihre Welt gefolgt bin, scheint sie mir noch verschlossener und ernster als vorher. Ja, das Geheimnisvolla an ihr war es, dass mich immer so sehr anzog, aber jetzt ver?ngstigt es mich fast. Deshalb werde ich sie auch nicht wissen lassen, wie sehr diese ganze Welt mich ver?ngstigt und verunsichert. Ich will nicht dass sie auf mich herabsieht. Ich werde es auch ohne sie schaffen... und ich glaube deshalb bin ich heute auch hier, weil ich mir selber und ihr zeigen will, dass ich es auch ohne sie schaffe, dass ich nicht von ihr abh?ngig bin. Was nat?rlich alles Bl?dsinn ist, denn ich bin von ihr abh?ngig. Ohne ihr Geld m?sste ich mich zu den Nosferatu im Kanal gesellen und k?nnte mir auch nicht die Kleider leisten, die ich jetzt dank ihr so gerne trage. Auf der Stra?e verdient man nicht gerade viel, und deshalb ist es auch mit meinen Finanzen eher schlecht bestellt. Und auch so bin ich von ihr abh?ngig. Ohne sie w?re ich in dieser Gesellschaft ?berhaupt nichts, so bin ich wenigstens ihr Kind.

Es ist einiges passiert in der Zeit in der ich drau?en durch den Park gelaufen bin. Corwyn, der Prinz hat abgedankt. Warum, das wei? ich nicht, keiner den ich fragte konnte mir n?heres nennen. Tom Vaughan ist jetzt Prinz geworden, Ein Prinz unseres Clanes, ein etwas aufmunternderer Gedanke. Ausserdem hat Tom, soweit ich ihn einsch?tzen kann und kennengelernt hatte, kein so aufbrausendes Gem?t wie Corwyn, vor dem ich mich doch sehr f?rchtete, nachdem er seinen Sitzplatz wortgewaltig gegen mich verteidigte. Aber auch jetzt, wo er nicht mehr Prinz ist, fl?sst mir Corwyn doch noch sehr viel Angst ein, weshalb ich versuche ihm doch meist aus dem Weg zu gehen.

Soeben komme ich von einem Spaziergang mit Professor Schnitzler zur?ck. Ein sehr netter, h?flicher und zuvorkommender Mann, der mir durch seinen h?flichen Ton schon mehrmals aufgefallen ist. Es war eine wundersch?ne Abwechslung zu den rauhen Sitten, die doch immer wieder hier herrschen. Ich bin dem Professor sehr dankbar daf?r, dass er mich auf diesen Spaziergang eingeladen hat, dass er mich rausgeholt hat aus diesem ewigen hier sitzen und gr?beln und warten. Endlich hat mich jemand nicht nur von oben herab behandelt, sondern wirklich mit mir geredet, erz?hlt. Eine wundersch?ne Abwechslung zu allem hier. Endlich einmal jemand, der mich nicht ansieht als w?re ich ein ekelhaftes kleines Insekt das sich hier breitgemacht hat und zertreten, oder zumindestens weggeschafft geh?rt. Ja, ich wei?, ich bilde mir das alles wahrscheinlich nur ein, in Wirklichkeit sieht mich ja keiner wirklich an, warum also sollten sie sich Gedanken ?ber mich machen.
Der Spaziergang hat mir richtig gut getan... endlich f?hle ich mich wieder wie ein Mensch... Mensch? nein... nein! so kann ich mich nie mehr f?hlen... ich bin kein Mensch mehr... doch... was macht den Menschen aus? Sind es nicht die Seele, die Gedanken und Gef?hle die den Menschen ausmachen? Oder ist es wirklich nur das Biologische? Wenn es das ist, ja, dann bin ich wirklich kein Mensch mehr. Mein Herz schl?gt nicht mehr, kein Atem hebt mehr meine Brust. Und wenn ich mir an die Handgelenke greife, eine Bewegung, bei der ich mich in den letzten Wochen immer ?fters ertappt habe, dann... dann f?hle ich keinen Puls mehr, nichts mehr... ich bin tot... mein Gott, ich bin tot!! Ist es nicht ein Paradoxon an sich, dass man diese Worte sprechen, und gleichzeitig die Wahrheit sprechen kann? Werde ich mich je daran gew?hnen k?nnen, in stillen Momenten in mich hinein zu lauschen und nicht mehr das dumpfe Schlagen meines Herzens zu h?ren?
Die anderen Vampire hier scheinen sich gut daran gew?hnt zu haben, sie machen sich sogar Sp??chen daraus, wer in einer kalten Nacht die sch?nsten Dampfwolken aus "Atemluft" erzeugen kann... oh Gott!
Doch sie hatten schon genug Zeit sich daran zu gew?hnen, ihren toten K?rper zu akzeptieren... ich k?mpfe erst seit Zwei Monaten mit dieser unglaublichen Tatsache, in einem toten K?rper gefangen zu sein. Ob es ihnen wohl fr?her, kurz nachdem sie den Ku? empfangen haben, auch so ging wie mir. Zweifelten sie auch daran, ob es einen Sinn hat, so weiter zu leben... unleben? Trugen sie schon damals diese gro?e Selbstsicherheit mit sich, die sie jetzt zur Schau stellen? Oder mussten auch sie sich erst langsam und qualvoll irgendwie in diese Schattenwelt einleben, k?mpften auch sie mit diesen Zweifeln, mit dieser Angst vor all dem Ungeheuerlichen in dieser Welt? Vermissten sie de Herzschlag in ihrer Brust oder gew?hnten sie sich sofort an diese ewigw?hrende Stille in ihnen? Ich glaube nicht dass ich mich jemals daran gew?hnen kann... es erscheint mir so... krank...
krank... krank kann ich ja auch nicht mehr werden... (m?ssen jetzt f?r die Vampirgesellschaft vollkommen neue Wortwendungen erdacht werden?) nie wieder krank werden... eigentlich ein verlockender Gedanke, vor allem f?r mich, die ich doch so oft krank war in der Zeit auf der Stra?e... tun k?nnen was ich will, drau?en herumlaufen wie ich will, egal ob es Minusgrade hat oder regnet, und nie auch nur eine kleine Erk?ltung bekommen, ein sch?ner Gedanke... aber fehlt dann nicht etwas im Leben? Wenn man immer nur die Gesundheit, immer nur die guten Seiten erlebt, fehlt dann nicht das Gegengewicht, um diese guten Seiten ?berhaupt zu sch?tzen zu wissen? H?tte ich die Sonne zu sch?tzen gewusst, wenn es niemals dunkel geworden w?re? Die Sonne... langsam erscheint sie mir nur noch wie eine Legende, eine Fabel, von der jeder wei?, doch niemand sagen kann ob sie wirklich existiert...

Ein Blick in den Spiegel und wie immer der forschende Blick nach Ver?nderungen... aber vergebens... ich bin so, wie ich bin, und so werde ich bin in alle Ewigkeit bleiben... nie werde ich ?lter werden... vor allem, nie werde ich mich verlieben, vielleicht einmal heiraten... sp?ter meine Kinder und noch viel sp?ter deren Kinder auf meinem Scho? halten, ihre W?rme f?hlen, ihr Lachen h?ren, ihr kleinen ?rmchen um mich zu sp?ren... niemals werde ich Kinder haben... die einzige M?glichkeit f?r mich, "Kinder" zu haben, w?re, jemand anderem dieses Schicksal hier zuzumuten, mit dem ich so sehr hadere... Was hier in dieser Schattenwelt war es wert, all meine Tr?ume und Sehns?chte gemeinsam mit meinem K?rper sterben zu lassen?? doch es ist jetzt egal... denn ich kann es nie mehr ?ndern... es kann niemals mehr anders werden...

Wieder gab es gro?e Tumulte im Elysium... Tom und Corwyn sind aneinandergeraten, die Gr?nde kenne ich nicht, konnte ich auch nicht herausfinden... meine Angst vor Corwyn hat sich jedoch wieder best?tigt, als er vor meinen Augen pl?tzlich auf Tom losging und die beiden zu k?mpfen begannen, bis Corwyn Tom mit einer Waffe bedrohte... am liebsten w?re ich in diesem Moment einfach weggerannt, doch ich f?hlte mich wie erstarrt, wagte mich nicht von der Stelle zu bewegen, als der Kampf neben mir begann...
Corwyn zerrte Tom schlie?lich mit sich ins Elysium und obwohl ich Angst hatte war ich neugierig und folgte den beiden deshalb... im Elysium gab es gro?e Aufregung, da Tom es irgendwie geschafft hatte, sich vor aller Augen zu verdunkeln und zu verschwinden... es dauerte einige Zeit bis er wieder gefunden wurde, und dann ging die Aufregung erst richtig los... Corwyn forderte, dass das Todesurteil gegen Tom, das das letzte Mal nur mit Vorbehalten nicht vollzogen worden war, jetzt vollstreckt werden w?rde...und auch der Prinz stimmte ihm zu... erstarrt lauschte ich Marie Dorothees Verhandeln und Flehen um Toms Leben, doch alles schien sinnlos zu sein... Das Urteil sollte schon vollstreckt werden, das Schwert war schon geholt worden, dieses furchtbare Schwert, das mir noch mehr Angst machte, als Marie Dorothee, die stolze Maria Dorothee pl?tzlich vor dem Prinzen auf die Knie sank und um Toms Leben flehte und bat... jeder war vollkommen verbl?fft und auch der Prinz schien sehr ber?hrt von dieser Geste... Tom kann gl?cklich sein, solch tapfere F?rsprecherin gefunden zu haben, denn der Prinz liess sich erweichen und verbannte Tom aus der Stadt... verb?rgte das Urteil mit Marie Dorothees Leben...
Tom kann wirklich froh f?r seine F?rsprecherin sein... ich mochte ihn sehr, auch wenn ich ihn kaum kannte... er war einer der wenigen, die die Nasenspitze nicht hoch in den Himmel gestreckt hielten und sprachen wie ein Lexikon, sondern jemand der rundheraus sagte was er dachte... und auch wenn er sich damit erst seinen ganzen ?rger eingehandelt hat, faszinierte mich seine Art zu tun was er will, ohne sich darum zu k?mmern was andere denken...

W?rde Silvia auch f?r mich das tun, was Marie Dorothee f?r Tom tat? W?rde Silvia, die stolze, erhabene Silvia, f?r mich, ihr Kind, vor dem Prinz auf die Knie sinken und um mein Leben flehen? Es schmerzt mich dar?ber nachzudenken, denn immer wieder komme ich nur zu der einen Antwort... nein, sie w?rde es nicht tun... sie w?rde das niemals tun... und schon deshalb muss ich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen hier in dieser Welt, mir meinen eigenen Namen zu machen, selbst f?r mich sprechen zu k?nnen... und das werde ich tun... das werde ich schaffen... irgendwie... das gute ist, ich habe Zeit daf?r dies zu erreichen... Ich habe die Ewigkeit...

Mona


12.2.04 19:53


Mona:

23. Februar 2002

Wo bin ich hier nur hingekommen? Hab ich mich richtig entschieden? Ich wei? es nicht mehr. Als sie mich fragte, war ich mir so sicher, ich war mir so verflucht sicher. Aber jetzt... Ja, es ist alles unglaublich aufregend, faszinierend... Aber gleichzeitig auch so unheimlich, so be?ngstigend. Ich habe schon vieles erlebt auf der Stra?e. Ich dachte oft, viel mehr kann nicht passieren, viel mehr schreckliches kann man nicht sehen. Ich wusste dass das Bl?dsinn war, denn ich hatte noch lang nicht alles gesehen. Aber ich dachte, nach all dem k?nnte mich nichts mehr so leicht ersch?ttern, ver?ngstigen. Bei all den Dingen, die damals auf der Stra?e passierten, f?hlte ich nie diese unglaubliche Angst, die mich jetzt ergriffen hat, nach dieser letzten Nacht. Und doch ist es nicht verwunderlich, eine nie gekannte Angst zu sp?ren, wenn ich an die vielen Dinge denke, die ich gestern erlebte, von denen ich nie geglaubt h?tte, dass sie ?berhaupt m?glich seien.

Oh man, wenn mir vor einigen Monaten jemand solche Dinge erz?hlt h?tte, h?tte ich angenommen er sei auf irgendeinem Trip, oder vollkommen durchgeknallt. Wie k?nnte ein Mensch mit dem Wissen um solche Dinge noch eine Nacht ruhig schlafen, noch einmal in der Dunkelheit auf die Stra?e gehen, ohne verr?ckt zu werden vor Angst? Wie konnte ich mit dem Wissen um all das Leben?

Aber als sie es mir erz?hlte, langsam, St?ck f?r St?ck, in kleinen, wie sie meinte, f?r dein verletzlichen Geist eines Menschen ertr?glichen Raten, da h?rte es sich alles so faszinierend an. War ich geblendet von all den Erz?hlungen, die es gibt in unserer Welt? Anne Rice, Bram Stoker und wie sie alle hei?en? Geblendet von all den Versprechungen die diese Geschichten machen, von dem aufregenden, strahlenden Leben als Vampir? Die ganze Welt bereisen k?nnen, alles, alles sehen, weil man alle Zeit dieser Welt hat. Reicht?mer ansammeln, weil man genug Zeit hat, dies zu tun. An keine Grenzen gebunden sein. Die ?bernat?rlichen F?higkeiten, St?rken. War ich geblendet von all diesen Versprechungen, dass ich die Wahrheiten, die sie mir sagte, einfach nicht h?rte, nicht h?ren wollte, einfach ignorierte? Oder sagte sie es mir nicht? Ich wei? es nicht, wei? es nicht mehr... es ist erst kurze Zeit her, und doch erscheint es mir wie eine Ewigkeit.

Wenn mir ein paar Wochen schon wie die Ewigkeit erscheinen, mein Gott, wie lange ist dann die Ewigkeit, die mir zur Verf?gung steht?

Doch... wie weit ist es mit dieser \'Ewigkeit\' von der die Menschen... nein, Menschen kann ich nicht sagen... aber was dann? Untote, Vampire, wie sage ich? wie weit ist es mit dieser Ewigkeit, von der die Leute hier immer sprechen, diese Ewigkeit, die ihnen angeblich zur Verf?gung steht? Ja, unbestritten, es gibt viel weniger, dass sie verletzten kann, Verletzungen, die einen Menschen sofort t?ten w?rden, lassen sie ziemlich kalt. Aber dennoch... schon alleine die Tatsache mit dem Sonnenlicht, dass sie, nein, uns, es muss uns hei?en, denn jetzt bin ich einer der ihren, sofort t?tet, zu Staub zerfallen l?sst... man stelle sich nur vor, jeder normale Mensch w?rde zu Staub zerfallen, wenn er sich der Dunkelheit aussetzt, in der Dunkelheit sein geschlossenes K?mmerchen verl?sst. W?re dies vorstellbar? Mein Gott, welch ein trostloses Leben w?re es, jeden Tag genau aufpassen zu m?ssen wenn die Sonne untergeht, und sich noch vor Sonnenuntergang in einen geschlossenen Raum verkriechen zu m?ssen, weil jeder Kontakt mit der Dunkelheit einen t?ten w?rde? Wie trostlos w?re es, wie beschr?nkt, wie unausgef?llt... Ist das auch das Leben dass ich jetzt leben muss? Im Moment bin ich nach jeder Nacht, nach all den vielen Eindr?cken die jede Minute der Nacht auf mich einst?rzen, so ersch?pft, dass ich schon lange schlafe, bevor die Sonne hinter den ersten H?geln verschlafen hervorblinzelt, und oft nur schwer wieder aufwache wenn sie untergegangen ist. Aber das wird sich ?ndern, wurde mir gesagt, die Zeit in der ich so viel Schlaf brauche wird vergehen. Wie wird es dann sein? Werde ich Mittags aufwachen, in meinem dunklen Zimmer, eingesperrt, in einem Verlie? mit dem t?dlichsten aller W?chter, einem W?chter der f?r alle anderen Lebensspender, Mutter, Geliebte ist und f?r mich den grausamen Tod bedeutet? Werde ich dort liegen und mich erinnern, wie sich die Sonne in der Donau spiegelte, wie sie im Wasser reflektierte und hunderte kleine Lichtinseln auf die Unterseite der U-Bahn-Br?cke malte, wenn wir im Sommer dort lagen und f?r einen Moment alles verga?en? Werde ich versuchen mich zu erinnern, wie es sich anf?hlt, wenn die ersten Strahlen der Fr?hlingssonne die von der andauernden Winterk?lte fast tote Haut erw?rmten? Werde ich versuchen gegen das Vergessen zu k?mpfen, mir immer wieder ins Ged?chtnis rufen, welcher Hoffnungsschimmer die ersten Sonnenstrahlen, die ?ber den H?usern aufblitzen, waren, nach einer eisigkalten Nacht, wenn wir glaubten es nicht durchzustehen, wenn es sich anf?hlte als w?rde das Blut uns in den Adern einfrieren, das Herz zersprengen und alles einfach zu Ende sein? Welches Gef?hl es war, in der Sonne mit den anderen ?ber die Pl?tze zu wandern, wie es aussah, wenn die Sonne in Danis rotem Haar brannte und strahlte wie Fackeln in der Nacht, und in Sinas schwarzen Locken, dieses sanfte Leuchten, wie ein schwarzer Stern... Werde ich jeden Tag daliegen und immer wieder versuchen mich daran zu erinnern, versuchen, gegen das unbarmherzige Monster des Vergessens zu k?mpfen, weil ich das alles nie wieder sehen kann, weil das alles mein sicherer, mein endg?ltier Tod w?re? Weil die Sonne, die Leben f?r alles, alles auf dieser Welt ist, f?r uns, f?r uns Ausgestossene der Tod ist?

Und nicht nur die Sonne... mein Gott, in den wenigen Wochen die ich jetzt hier mit Silvia in N?rnberg lebte, in dieser seltsamen Gesellschaft der Vampire lebte, sah ich f?nf Vampire sterben, f?nf!! Denn der gr??te, grausamste, gnadenlosteste und unbarmherzigste Feind f?r jeden Vampir, sind die anderen Vampire. Sie t?ten sich alle gegenseitig, sie pr?geln, sie pf?hlen, sie zerfetzen, sie l?schen sich gegenseitig aus. Und berufen sich daneben auf ihre gro?e ?berlegenheit gegen?ber den Menschen. Sind sie anders? Sind die Menschen nicht genau so? Im Grunde sind sie alle gleich, Mensch wie Vampir, alles ist eins. Sie leben, sie heucheln, sie l?gen, sie t?ten.

Wem kann ich trauen dort? Wem kann ich trauen, ohne am Ende dass es mir genau so ergeht wie diesen F?nf, die ich sterben sah? Ich f?hle mich wie ein Kaninchen, dass in einem Wolfrudel lebt. Alle sind freundlich, alle l?cheln, doch was steckt hinter diesen Masken. Kann ich ?berhaupt jemandem trauen, ausser Silvia? Hinter diesem L?cheln, steckt dort auch die Freundlichkeit, die sie zeigen, oder schmieden sie dort schon Pl?ne, wie ich in ihrer Welt von Nutzen sein kann. Wahrscheinlich dreh ich einfach durch... hab ich irgendeinen Anlass zu der Vermutung, jemand wolle mich f?r seine Zwecke einspannen, wolle mir etwas antun? Dort nimmt mich doch sowieso kaum jemand wahr, ich bin zu klein, zu unbedeutend, zu still, einfach uninteressant... Nun gut, jemand versuchte mich mit dem Auto zu ?berfahren, versetzte mich in Todesangst durch eine Bemerkung aus der ich schloss er f?hre etwas gegen mich im Schilde. Aber das k?nnte doch auch gegen Silvia gerichtet gewesen sein, wird es sogar sicher auch gewesen sein. Sie ist es um die ich mir Sorgen machen muss, sie steht inmitten dieses Wolfsrudels. Doch, im Grunde ist doch sie auch ein Wolf, mein Gott, unter dem Kaninchenfell, dass ich mir andichte, bin doch auch ich ein Wolf, so wie so alle!!!

Ich muss mich beruhigen... meine Gedanken laufen Sturm gegen mich, ich komme nicht gegen sie an. Ich bin so verwirrt, so verwirrt wegen allem dass ich letzte Nacht sah. Vampire, die pl?tzlich tot waren, jegliches Leben - Unleben? - aus ihnen gewichen, und dann pl?tzlich zu Staub zerfielen. Fremde Vampire, die pl?tzlich im Elysium, dem einzigen Ort, an dem ich dachte sicher zu sein, dem Ort an dem man mir immer wieder versicherte sicher zu sein, auftauchen, Tumulte die losbrechen, Verwirrung, Entsetzten, Sch?sse und Schreie und Blut, ?berall Blut, wieder ?berall so viel Blut wie damals... nein, nicht daran denken... Leblose Gestalten, die mir wie tot erscheinen, mit Pfl?cken in der Brust, die dann pl?tzlich wieder \'leben\' und einfach so davon marschieren. K?mpfe und noch mehr K?mpfe, Verfolgunsjagden durch die halbe Stadt, Gei?elnahmen. Mein Gott, ich glaube immer noch zu sterben, wenn ich Silvia wieder vor mir sehe, Silvia in den H?nden dieses Fremden, eines Mitglied dieses \'Sabbats\', wie man mir sagte. Silvia in seinen H?nden und die Drohung sie zu t?ten. Die eiskalte, unsichtbare, riesenhafte Hand der Angst greift wieder nach meinem Herzen, wenn ich daran denke. Sie verlieren, sie verlieren, mein Gott, was wird dann aus mir? Wie sollte ich jemals ohne sie hier bestehen? Was sollte ich machen ohne sie? Wem k?nnte ich trauen wenn sie nicht w?re? Wie sollte ich all das hier ohne sie durchstehen? Die Ewigkeit macht mir unglaubliche Angst, doch wenn ich wei?, dass sie in dieser Ewigkeit bei mir sein wird, hat es alles wenigstens einen Sinn, wird es alles etwas leichter, werden all diese Dinge, die jetzt auf mich einst?rzen, etwas leichter zu ertragen.

Wird diese Angst jetzt immer bei mir bleiben? Dieses Entsetzen, die Angst davor, auch nur einen Schritt alleine in dieser Gesellschaft zu machen? Es erscheint mir oft alles wie ein dunkler, b?ser Traum und warte darauf dass ich aufwache und wieder in Wien bin, im Ressel-Park und die anderen bei mir sind, und ich erz?hle ihnen von diesem Traum und sie lachen - Sinas lachen, oh wie ich es vermisse - und sagen, ich sollte endlich aufh?ren so viele B?cher zu lesen, ich k?me dadurch nur auf bl?de Gedanken und bek?me davon diese Alptr?ume. Dann w?rden wir aufstehen, und in die Stadt gehen, zum Bahnhof, um etwas Geld f?rs Fr?hst?ck zu bekommen. Und mit den Sonnenstrahlen auf meiner Haut, mit den Ger?uschen der Gro?stadt und dem Geplauder und Gel?chter der anderen verfliegt der Traum ins Nichts... Aber dieser Traum wird niemals verfliegen, dieser Traum wurde Wirklichkeit, wurde meine Wirklichkeit, ich werde nie erwachen, f?r immer tr?umen, f?r immer... f?r die Ewigkeit... die Ewigkeit.

Die Ewigkeit... die Vorstellung, mit so vielen Personen in einem Raum zu sein, die so alt sind... Alter das meine Vorstellungskraft einfach ?bersteigt. Sie erlebten Zeiten, die ich h?chstens mal im Geschichtsunterricht durchnahm, sie erlebten so viele Kriege, so viele gro?e Pers?nlichkeiten, so vieles, so vieles, dass ich mir neben ihnen vorkomme wie eine Eintagsfliege, die an der Wand sitzt und darauf wartet endlich zerquetscht zu werden von den Riesen die durch diese Welt wandern.

Die Nacht neigt sich langsam dem Ende zu. Es ist jetzt f?nf Uhr. Langsam werde ich m?de... und der Hunger meldet sich schon wieder. Dieser Hunger... er macht mir Angst. Dieser Hunger, der nicht mit einem Hamburger oder einem Apfelstrudel zu stillen ist... dieser Hunger, nach Blut. Noch immer widerstrebt mir dieser Gedanke zutiefst. Es ist jede Nacht ein unglaublicher Kampf. Immer wieder denke ich, nein, ich verhungere lieber, werde lieber wahnsinnig, als dies noch einmal zu tun, es ist mir zutiefst zuwider. Und doch ist es immer st?rker als ich, tue ich es immer wieder. Doch ich kann nicht diese Euphorie dabei empfinden, wie sie bei anderen vorhanden zu sein scheint. Alleine der Gedanke, diesem Menschen weh zu tun, der k?rperliche, aber vor allem der psychische Schmerz dem ich ihn zuf?ge, machen es mir selber zur unglaublichen Qual. Auch wenn es verbl?ffend ist, dass die meisten Menschen nach dem ersten Schrecken, der ersten Angst, dabei keinen Schmerz zu empfinden scheinen, kann ich es nicht glauben und bereitet es mir gro?e Qualen. Es hei?t, sie vergessen danach alles wieder, die Wunden werden verschlossen und sie leben weiter wie vorher, doch ich kann das nicht glauben. Das menschliche Gehirn, das Ged?chtnis sind so komplex, irgendwo wird es alles gespeichert, in tiefen, die wir nicht erreichen k?nnen. Wie wird es das Leben dieses Menschen, auch wenn er, sein Bewusstsein, diesen unglaublichen Vorfall, diesen Schock, der ihn, wenn er die Erinnerung daran h?tte, wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben w?rde, weiterhin beeinflussen, aus den Tiefen seines Ged?chtnisses, seines Unterbewusstseins. Wird sein Leben dadurch, durch MICH, nicht vielleicht f?r immer zerst?rt, weil er immer in seinem Unterbewusstsein mit dieser unglaublichen, kaum ertr?glichen Wahrheit leben muss. Zu t?ten, daran will ich gar nicht denken, nein, dieser Gedanke jagt mir unglaubliche Angst ein. Wie k?nnte ich dies tun, wie? Und doch, w?re es nicht das erste mal... nein, Mona, denk nicht daran...

Wie war es f?r mich, davon zu erfahren, von dieser Schattenwelt? Wie habe ich damit gelebt? Es ist noch gar nicht so lange her, aber ich kann mich so schlecht daran erinnern, all das verschwimmt, verschmilzt bis zur Unkenntlichkeit. Irgendwie ahnte ich immer, dass mit Silvia etwas besonderes ist, etwas absolut aussergew?hliches, dass ich noch nie vorher bei einem anderen Menschen erlebte. Von dem Moment an, als ich sie das erste mal sah, als sie pl?tzlich da stand, in dieser einen Nacht, sich mit Dani und mir unterhielt. Dani, unsere kleine Stra?enphilosophin, war von Silvia von Anfang an begeistert, doch auch sie sp?rte dieses Unbekannte, fast schon Unheimliche, das Silvia umgab, dieses Unheimliche das ich jetzt auch noch manchmal an ihr f?hle, wenn sie pl?tzlich wieder so unnahbar scheint, wie Millionen Lichtjahre entfernt von mir und allem, wenn sie sich vor mir zur?ckzieht. Und auch Dani fielen ihre Augen auf. Silvias Augen, die nie so wirklich zu ihrem jugendlichen K?rper passen wollten, diese Augen, die so unglaublich alt und erfahren auf uns alle blickten, als w?rde sie alles wissen, alles, was wir denken, was wir sind, Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart, alles, und die manchmal, in ihren dunkleren Stunden, leblos, fast tot wirkten. Diese Augen, die nur wirklich zu leben schienen in den wenigen Momenten, wenn sie lachte. Auch Dani bemerkte das alles... meine s?sse kleine Dani. Sie hatte einen solchen Narren gefressen an Silvia, sie war so absolut begeistert von ihr. Sie konnte stundenlang nur ?ber Silvia sprechen, ?ber Silvias weise Worte, ihre Weltansichten, ihre Kleidung, ihr Aussehen, die Art sich zu bewegen, alles, sie konnte ?ber all das stundenlang sprechen, wobei sie jedoch von Silvias Worten am meisten beeindruckt schien. Silvia war immer irgendwie ihr Vorbild, sie wollte so werden wie sie. Meine arme kleine Dani, es traf sie so hart, dass Silvia ihr so wenig Beachtung schenkte. Sie ?berschlug sich fast, um irgendwie ihre Aufmerksamkeit zu erregen, sie ?berlegte oft den ganzen Tag ?ber was sie nur sagen k?nnte, damit Silvia sich einmal mit ihr besch?ftigt, doch nie schaffte sie es wirklich, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich frage mich immer wieder, warum Silvia sich ausgerechnet f?r mich interessierte. Frage mich, warum sie in dieser Nacht im Park ausgerechnet bei uns stehen blieb. Ich meine, wer bleibt schon Nachts im Resselpark bei einer Gruppe abgerissener Jugendlichen, die dort herumh?ngen stehen und beginnt ein Gespr?ch mit ihnen? Die meisten Menschen laufen doch so schnell sie k?nnen durch den Park, falls sich wirklich keine M?glichkeit bietet, aussen herum zu kommen. Aber sie, sie ging schnurstraks auf uns zu, als h?tte sie uns gesucht, vielleicht mich gesucht? Ich wei? es nicht, wahrscheinlich werde ich es nie erfahren, weil ich einfach nie den Mut finden werde, sie das zu fragen. Vielleicht habe ich einfach Angst vor der Antwort.

Naja, bevor ich mich jetzt weiter in die Gedanken, in die Erinnerungen verrenne... langsam wird es wirklich Zeit f?r mich, dass hier zu beenden. Ich glaube die Sonne wird bald aufgehen und ich es ist wahrscheinlich besser wenn ich mich in meinen Raum zur?ckziehe. Fliehen vor dem allem Leben Gebenden, dass f?r uns der Tod ist... werde ich es jemals wirklich akzeptieren k?nnen? Ich wei? es nicht...

Mona


12.2.04 19:52


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